Weitere Namen: Re
 

Die Sonne als hat eine sehr grosse Bedeutung in der ägyptischen Mythologie, was durchaus verständlich ist, wenn man sich ihre Kraft in diesen Breitengraden vor Augen führt. Entsprechend vielfältig sind ihre Erscheinungsformen in der altägytischen Religion. Einerseits symbolisierte die Sonnenscheibe - teilweise mit anderen Attributen ergänzt - diverse Götter. Andererseits galten verschiedene Götter als Personifizierung der Sonne.

Der wichtigste dieser Götter war zweifellos Re, der nach der Sonne benannt wurde. Er galt als Verkörperung der Sonne. Da es aber noch weitere Sonnengötter gab, wurden die Tageszeiten den einzelnen Göttern zugeordnet. So wurde  Chepri, der Skarabäus, zur Morgensonne, Re zur Mittagssonne und Atum, zum Gott der Abendsonne. Die Abendsonne wurde auch als Widder bezeichnet. Als weitere "Sonnen"tiere gelten der Falke (Horus) und der Löwe. Auch das Krokodil wurde mit der Sonne verknüpft in der Vorstellung, dass die Sonne frühmorgens als Krokodil aus dem Wasser aufsteige. Folgerichtig wurde auch die Himmels-Kuh mit der Sonne verbunden; sie trug die Sonnenscheibe zwischen ihren Hörnern.

Harachte (eine weitere Erscheinungsform des Horus) verkörperte die Sonne, die als Falke hoch am Himmel ihre Bahn zog. Er verschmolz später mit Re und wurde zu Re-Harachte, einer Erscheinungsform des Re. Eine besondere Bedeutung kommt den Augen des Falken zu. Ursprünglich bezeichnete man ein Auge als Mond, das andere als Sonne. Im allgemeinen galt die Sonne jedoch als Auge des Re und der Mond als Auge des Horus (Udjat-Auge). Dieses Sonnenauge wurde früh verknüpft mit dem Uräus, der häufig im Zusammenhang mit der Sonnenscheibe dargestellt wurde. Der Uräus wurde dann seinerseits als Sonnenauge oder Auge des Re bezeichnet. Bei den meisten Völkern wäre es dabei wahrscheinlich geblieben, nicht so bei den Aegyptern. Um die Verwirrung komplett zu machen, brachten sie diverse Göttinnen in Verbindung mit der Uräusschlange und mit dem Auge des Re. Uto, die Schutzgöttin von Unterägypten wurde als Uräus dargestellt und als Sonnenauge bezeichnet. Aber auch die Göttinnen Tefnut, Hathor und Sachmet findet man unter dieser Bezeichnung.

Ein anderer Mythos sah die Sonne als Kalb, das am Morgen von der Himmelskuh (Nut) geboren wurde, tagsüber heranwuchs und abends als Kamutef (Min, Amun-Min) die Sonne begattete, damit sie morgens wieder ein Kalb gebären konnte. Damit nicht genug; im Mythos um die Enneade (Heliopolitanische Neunheit) versank die Sonne am Abend im Mund der Nut, wanderte während der Nacht durch ihren Körper und wurde morgens wiedergeboren. Auf Darstellung der Nut sieht man die Sonne bisweilen als Skarabäus, der an ihrem Körper entlang krabbelt.

Die Sonne und ihre Symbole begegnen uns immer wieder auf Darstellungen von Göttern: Chepri hält häufig eine Sonne zwischen seinen Vorderbeinen, der Falke als Bild von Re-Harachte trägt eine Sonne auf dem Kopf, Hathor und Isis tragen ein Kuhgehörn mit Sonnenscheibe auf dem Kopf. Dies sind die verbreitetsten Bilder, ein umfassende Liste aller Sonnen-Abbildungen würde mehrere Seiten füllen.

Zuletzt wollen wir uns einer ganz besonderen Zeit der Sonnenverehrung zuwenden, nämlich der Amarna-Zeit. Unter Pharao Echnaton erhielt die Sonne einen noch höheren Stellenwert. In dieser Zeit galt Aton als einziger Gott. Ursprünglich wurde er noch dargestellt als Mensch mit Falkenkopf, was Re-Harachte entspricht. Aber bald sah man Aton nur noch als die Sonnenscheibe, deren Strahlen häufig als Hand enden. Der Monotheismus war jedoch von kurzer Dauer und Aegypten kehrte wieder zu seinem alten Glauben zurück und damit auch zur hergebrachten Sonnenverehrung. Aton versank in relativer Bedeutungslosigkeit.