Weitere Namen: ---
 
Der Löwenkult stammt aus frühester Zeit. Durch das Löwenpaar aus der Enneade von Heliopolis - Schu und Tefnut - gelangte der Löwe in den Kreis des Sonnengottes. Das ging soweit, dass Atum ab und zu als Ruti bezeichnet wurde und damit in Verbindung trat mit dem Löwenpaar von Leontopolis, das wiederum als Verkörperung der Kinder von Atum - Schu und Tefnut - galt. Möglicherweise lag es an dieser Verbindung, dass der Sonnengott als Löwe dargestellt werden konnte. Auch Horus wurde mit dem Löwen verbunden. Als Harachte kann er löwenköpfig dargestellt sein, in einigen Fällen auch mit Löwenkörper und Falkenkopf.

In Karnak begegnen wir einer weiteren interessanten Löwenform. Diese ist nicht näher bezeichnet und könnte allenfalls mit dem Löwen im 162. Kapitel  aus dem Totenbuch in Verbindung stehen. Beide werden dargestellt wie Min, mit erigiertem Phallus und erhobenem Arm, aber löwenköpfig (in Karnak auch mit Sonnenscheibe). Der Löwe im Totenbuch trägt den Titel "Der Löwe mit lautem Gebrüll" und galt als "Herr des männlichen Gliedes".

Löwengötter:

Aker, der in Doppelgestalt als Verkörperung der beiden Horizonte galt.

Mahes (Miysis) Sohn der Bastet in Leontopolis.

Ruti, das Löwenpaar aus Leontopolis, in früher Zeit mit Schu und Tefnut identifiziert.

Eine spezielle Form ist Horus-Behedeti, der sich im Kampf bei Sile in einen Löwen mit Menschenkopf verwandelte. Im Tempel von Sile wurde er entsprechend ein Löwe verehrt.

Eigenartigerweise ist die reine Löwenform jedoch ist bei männlichen Göttern eher selten anzutreffen, obwohl seine Merkmale doch sehr männlicher Natur sind. Es sind die Göttinnen, die hier überwiegen und in ihrem Wesen oft entsprechend wilde aber auch sehr mütterliche Züge aufweisen. Reliefs aus dem Alten Reich zeigen Löwengöttinnen, die den König säugen, also eine Art Mutterfunktion für den König übernehmen.

Verwickelt ist die Gleichsetzung der Stirnschlange des Königs - ursprünglich Uto oder Werthekau - mit Tefnut. Der Uräus galt als Sonnenauge des Re und wurde von Uto verkörpert. Ab dem Mittleren Reich konnte Uto Löwengestalt annehmen und gelangte in unmittelbare Nähe der Tefnut, die ihrerseits als Mondauge und teilweise auch als Sonnenauge des Re galt. Im Mittleren Reich verschmolzen die Löwengöttinnen häufig und sind seither nicht mehr in jedem Falle klar trennbar. So kam es zu Bezeichnungen einzelner Göttinnen, die aus mehreren Namen und Titeln zusammengesetzt waren und dadurch äusserst unüberschaubar wirken. So findet man beispielsweise eine "Sachmet-Neseret-Uto-...-Unut-Menhit".

Löwengöttinnen:

Sachmet, die löwenköpfige Gattin des Ptah.

Tefnut, die Löwin von Heliopolis.

Mut, ab dem Neuen Reich nahm die Geiergöttin Löwenzüge an.

Uto (Wadjet), die schlangengestaltige Schutzgöttin von Unterägypten konnte ab dem Mittleren Reich löwenköpfig dargestellt werden.

Werthekau, die Göttin, welche die Kronen verkörpert, auch Beiname von Uto, Sachmet oder Mut.

Matit von Deir el Gebrawi/Hierakon, Gefährtin und Kampfgenossin des Gottes Anti, sie wurde in späterer Zeit als eine Form der Isis interpretiert.

Mehit von This, Gemahlin des Stadtgottes Onuris. Sie wurde in auch späterer Zeit auch in Behedet verehrt und verschmolz dort mit Hathor.

Menhit von Latopolis, Gemahlin des lokalen Hauptgottes Chnum und Mutter von Heka. Durch die Gleichsetzung von Chnum mit Schu wurde Menhit zu Tefnut. Zuweilen ist sie mit Sachmet gleichgesetzt worden. Schlachtbilder Sethos I. nennen den König "geliebt von Menhit".

Menat oder Menit, die Vergöttlichung des Halsschmuckes, der aus mehreren Reihen von Perlenschnüren besteht.

Pachet von Beni Hasan, später Speos Artemidos genannt.

Schesemet von Saft el-Henne, ihr Name ist gleichzeitig die Bezeichnung für einen Gürtel aus Perlengehängen. Dieser war in der Frühzeit Schmuck und evtl. Machtsymbol von Göttern und Pharaonen. Sie verschmolz bereits im Alten Reich beinahe vollständig mit Sachmet.

Unut, die ursprügnglich Hasengestaltige Göttin von Unu verwandelte sich früh in eine Löwin. Ihre Hasenohren behielt sie jedoch bei.

Den Löwen findet man neben der Religion auch im Zusammenhang mit dem König. Seine kämpferische Natur, sein mächtiges Auftreten und sein markerschütterndes Gebrüll lassen den Löwen geradezu zu einem königlichen Tier werden. So ist es auch verständlich, dass der Löwe zu einem Symbol des Königs wurde und der König als Löwe bezeichnet wurde.  Löwen zierten sein Mobiliar und ab dem Neuen Reich sind gezähmte Löwen als Begleiter des Königs keine Seltenheit. Als besondere Auszeichnung königlicher Gunst galt der sogenannte Löwenorden. Ursprünglich waren Löwenattribute dem König vorbehalten. Durch die Demokratisierung im Neuen Reich kamen auch Privatleute in diesen Genuss und durften sich mit Löwengestalten, Löwenmöbeln und ähnlichem umgeben. Die wohl bekannteste Darstellung in Löwenform ist die Sphinx. In ihr vereinen sich Löwenkörper mit dem Kopf des jeweiligen Königs.

Im Totenkult hatte der Löwe eine zweischneidige Bedeutung. Einerseits bedeutete er magischen Schutz für den Verstorbenen, andererseits konnte der Löwe dem Toten gefährlich werden und ihn auf seiner Wanderung durch das Jenseits anfallen und vernichten. Als Gefahrenpotenzial wurde er sogar mit Apophis gleichgesetzt.