Weitere Namen: Asar, Ausar, Unnefer, Wennôfer, Wesir
Kultstätte: Heliopolis, Abydos, Busiris
Symbol/Tier: Atefkrone, Djed
Eigenschaften: Fruchtbarkeitsgott, Herrscher über das Totenreich
 

Osiris war gemäss der Enneade von Heliopolis der Sohn von Geb und Nut, Bruder von Isis, Nephthys und Seth, Vater von Horus. Er soll auch der Vater des Anubis gewesen sein.

Osiris war neben seiner Schwestergemahlin Isis wahrscheinlich einer der bekanntesten Götter Aegyptens. Er trug unter anderem die Namen Wennôfer, d.h. "Der Vollendete" oder Wesir d.h. "Stätte des Auges", was weniger im Sinne von Sitz des Auges, als im Sinne von Freude für das Auge zu verstehen ist. Sein Schriftzug gibt diese Bezeichnung wieder. Osiris wird häufig mit grüner oder schwarzer Haut dargestellt; grün weist auf seinen Fruchtbarkeitsaspekt, schwarz ist die Farbe des fruchtbaren Nilschlamms. Es wird aber auch gedeutet als Hinweis auf die Dunkelheit im Duat. Die häufig aufgefundenen sogenannten Kornosiris oder Kornmumien weisen auf beide Aspekte hin, sowohl auf die Fruchtbarkeit durch das Wachstum des Korns, als auch auf seine Rolle als Herrscher über das Jenseits.  Ein Samenkorn, das in die Erde gelegt wird, zerfällt und bringt dann einen grünen Sprössling hervor; erwacht sozusagen zu einem neuen Leben.

Osiris trat gemäss Osirismythos - als Nachfolger seines Vaters Geb - die Königswürde über die beiden Länder an. Damit war sein Bruder Seth nicht einverstanden und suchte nach einer Möglichkeit, ihn aus dem Weg zu räumen. Er ermordete seinen Bruder und zerstückelte seine Leiche in vierzehn Teile. Isis suchte die Leichenteile und fand dreizehn, den vierzehnten Teil, seinen Penis hatten die Fische verschlungen. Nach seiner Ermordung wurde Osiris zum Herrn der Unterwelt. Daraus abgeleitet wird die Symbolik, dass der verstorbenen Pharao zu Osiris wurde, so wie der lebende Pharao als Verkörperung von Horus galt. Osiris war aber auch das Symbol der Auferstehung in Anlehnung daran, dass Isis seine Körperteile wieder zusammensetzte und zu neuem Leben erweckte. Da Osiris als Totengott galt, wurde er in Mumienhaltung dargestellt, d.h. mit geschlossenen Beinen; den Körper in weisse Gewänder oder Mumienbinden gehüllt, die Arme mit Krummstab und Geisel gekreuzt wie es bei königlichen Mumien üblich war.

Der Ursprung des Osiris ist nicht geklärt. Seine menschlich betonte Rolle als König der beiden Länder, sowie sein Tod weisen darauf hin, dass Osiris ein vorgeschichtlicher König gewesen sein könnte, der im Laufe der Zeit vergöttlicht wurde. Seine Bezeichnung "Herr von Busiris" könnte als Ursprungsort von Osiris gedeutet werden, das ist aber keineswegs gesichert. In erster Linie verschmolz Osiris mit dem dort verehrten Anzeti und übernahm von ihm die Atefkrone, Krummstab, Geisel und seine Merkmale. Seit dem Alten Reich gilt Abydos als Hauptkultstätte des Osiris. Dort soll sich nach der Mythologie sein Grab befinden. In Abydos übernimmt Osiris die Züge des dort heimischen Totengottes Chontamenti. Auch Anubis verschmolz teilweise mit Chontamenti und übernahm von ihm die Gestalt des Hundes. Auf diese Weise könnte die Verbindung zwischen Osiris und Anubis zustande gekommen sein, denn in späterer Zeit waren die beiden eng verbunden.

Zum Ursprung des Osiris existieren noch andere Deutungen, so zum Beispiel, dass Asar (eine der Bezeichnungen für Osiris) eine Form des babylonischen Marduk gewesen sein könnte. Was bedeuten würde, dass Osiris sozusagen importiert wurde. Wie üblich haben wir auch hier viele sehr unterschiedliche Aussagen von Fachleuten. In Aegypten dokumentarisch festgehalten ist Osiris erstmals in den Inschriften der Pyramide des Unas und Mastabas aus der 5. Dynastie, in Zusammenhang mit der gesamten Enneade von Heliopolis. Die Gruppierung dieser Gottheiten muss also bereits vorher erfolgt sein.